Der neue Server: Teil 1 Installation und Basiskonfiguration
Seit ca. November letzten Jahres war klar, dass ein neuer Server her muss - nicht zuletzt, weil einige Leute bei ibutho ausgestiegen sind und ibutho doch etwas zu schwach ist für unsere Ansprüche. Die Planungen liefen auch schon seit Ende letzten Jahres und nun haben sie alle Gestalt angenommen. Die Domains werden alle zentral über inwx.de verwaltet. Dies hat den Vorteil, dass wir unabhängig vom Provider des Root-Servers sind und später ohne Probleme wechseln können. Beim Server haben wir uns für einen DS3000 von Hetzner entschieden. Dieser sagte uns sowohl von den Hardware-Daten als auch vom Preis-/Leistungsverhältnis zu (AMD Athlon 64 X2 5600+, 2GB RAM, 2 x 400GB Festplatte, 100MBit Anbindung ans Internet, 7 IP-Adressen, unbegrenzter Traffic).
Im Weiteren will ich auf die Grundinstallation eingehen und in den folgenden Teilen auf die beispielhafte Installation und Konfiguration verschiedenster Server-Dienste. Ich hoffe, dass diese Beiträge für den ein oder anderen nützlich sind, wenn sie ihren eigenen Server konfigurieren und absichern wollen. Ich bitte um rege Diskussionen, damit die Beiträge sinnvoll erweitert und Fehler beseitigt werden können.
Installation des Systems
Hetzner vereinfacht dem Administrator die Installation eines eigenen Betriebssystems über das Rescue-System sehr. Es wir ein Skript installimage angeboten, über welches man z.B. die Festplatte partitionieren kann, ein LVM einrichten kann oder einen Software-RAID konfigurieren kann.
Bei meiner Installation entschied ich mich für ein RAID1-System mit LVM. Für RAID1 entschied ich mich aufgrund der gesteigerten Ausfallsicherheit und der gesteigerten Lese-Performance. Für LVM entschied ich mich, da dies mehr Flexibilität mit sich bringt als ein starres Partitionsschema. Sollte man später bemerken, dass eine Volume zu groß oder zu klein ist, kann man es einfach verkleinern/vergrößern. Versierte Leser mögen sich hier fragen, warum ich nicht komplett auf ein LVM-Setup setze und dem LVM auch das Mirroring überlasse. Der Grund ist einfach: über ein Software-RAID erhalte ich höhere Leseraten (siehe auch: http://www.joshbryan.com/blog/2008/01/02/lvm2-mirrors-vs-md-raid-1/, insbesondere auch die Kommentare). Beim Dateisystem setze ich auf ext3 bzw. ext2 für "/boot", da sich ext3 im LVM problemlos im laufenden Betrieb vergrößern bzw. verkleinern lässt.
Hier mein Partitionslayout:
| Mountpunkt | Dateisystem | Größe | |
| /boot | ext2 | 256M | |
| vg0 | lvm | all | |
| swap | swap | 2G | |
| / | ext3 | 5G | |
| /home | ext3 | 15G | |
| /tmp | ext3 | 4G | |
| /var | ext3 | 50G | |
Sowohl "/boot", als auch "vg0" sind jeweils eine RAID1-Partition. Die ganze Arbeit das RAID einzurichten und danach das LVM hat mir das hetzner-Skript abgenommen.
Erste Schritte
aptitude-Mirror konfigurieren
Hetzner stellt einen eigenen aptitude-/apt-Mirror und diesen werden wir als allererstes ändern. Die Vorteile liegen auf der Hand: hohe Übertragungsraten und es handelt sich um internen Traffic, wird als nicht berechnet.
/etc/apt/sources.list:
# Packages and Security Updates from the Hetzner Debian Mirror deb ftp://mirror.hetzner.de/debian/packages lenny main contrib non-free deb ftp://mirror.hetzner.de/debian/security lenny/updates main contrib non-free
Und nun ein erstes Update&Upgrade:
aptitude update && aptitude dist-upgrade
postfix Installation
Da postfix der Mailserver meiner Wahl ist und ich nicht will, dass irgend ein Programm exim oder ähnliches installiert, werden wir jetzt gleich postfix installieren, jedoch noch nicht konfigurieren. Die Konfiguration folgt ausführlich in einem weiteren Teil.
aptitude install postfix
Systemtools
apticron
apticron ist ein Tool, welches einen per Mail informiert, wenn es Updates gibt. Dies ist besonders hilfreich, da das Tool die Paketquellen im Hintergrund updated, aber die Updates nicht einspielt; so bleibt es dem Administrator immer selbst überlassen, welche Pakete er einspielt und welche nicht, bzw. welche er erst ausführlicher testen will, da die Funktionalität des Systems evtl. erheblich beeinträchtigt werden könnte.
aptitude install apticron
mdadm
Mit mdadm wurde bereits das Software-RAID erstellt. Doch mdadm kann mehr: es kann den Benutzer auch per E-Mail informieren, wenn es Probleme mit dem RAID gibt. Dies wollen wir hier einstellen:
dpkg-reconfigure mdadm
smartmontools
Mit den smartmontools kann man den Status des Festplatten abfragen und bekommt E-Mails, wenn die Festplatte kurz vor ihrem Lebensende ist.
aptitude install smartmontools
/etc/default/smartmontools:
# uncomment to start smartd on system startup start_smartd=yes # uncomment to pass additional options to smartd on startup smartd_opts="--interval=1800"
/etc/smartd.conf:
DEVICESCAN -m root -M exec /usr/share/smartmontools/smartd-runner
htop
htop ist eine erweiterte Version von top und bietet eine ncurses-Oberfläche, sowie Farben und "grafische" Anzeigen.
aptitude install htop
lsof
lsof kann anzeigen, wer gerade auf einen Ordner/Gerät zugreift. Das Tool kann nützlich sein, wenn man einen Ordner unmounten will, aber noch jemand/etwas darauf zugreift.
aptitude install lsof
mc
Wer DOS noch kennt, kennt auch den Norton Commander. mc (ausgeschrieben: midnight commander) ist ein Norton Commander-Klon und vereinfacht einem das Leben in vielen Situationen. Einfach mal ausprobieren:
aptitude install mc
locate
Mit locate kann man schnell nach Dateien suchen. Es baut einen Index über Dateien und Ordner des Dateisystems auf und aktualisiert diesen mittels eines Cronjobs regelmäßig. Sucht man eine Datei, so gibt man einfach folgendes ein:
locate <Dateiname>
Das Paket kann mit folgendem Befehl installiert werden:
aptitude install locate
Nach der Installation sollte als Erstes der Index aufgebaut werden (dies wird später automatisch gemacht):
updatedbBenutzer anlegen
Meine Anforderung an die Home-Laufwerke der einzelnen Benutzer ist, dass sie nicht von jedem gelesen werden können, aber dass man trotzdem Ordner/Dateien unterhalb des eigenen Home-Laufwerks für andere zugänglich machen kann, um z.B. einen "Briefkasten" zu implementieren, wo andere Benutzer Dateien für einen ablegen können, aber nicht sehen können, was sich sonst noch darin befindet. Deshalb wird mit folgenden Befehl die Sichtbarkeit der Home-Verzeichnisse geändert:
dpkg-reconfigure adduser
Außerdem hätte ich gerne, dass jeder Benutzer standardmäßig in der Gruppe "users" ist (man weiß ja nie, wozu das noch gut sein könnte). Dazu fügen wir an die Datei "/etc/default/useradd" am Ende folgendes an - bzw. an die Datei "/etc/adduser.conf" (je nachdem, ob man adduser oder useradd zum Hinzufügen von Benutzern verwendet):
/etc/default/useradd:
GROUPS=users
/etc/adduser.conf:
EXTRA_GROUPS="users" ADD_EXTRA_GROUPS=1
Die "Briefkasten"-Erweiterung:
cd /etc/skel/ mkdir public chmod 755 public/ mkdir public/dropbox chmod 753 public/dropbox/ chown root: public/ -R
Nun legen wir noch eigene Versionen der Dateien .vimrc, .bashrc, .bash_aliases in "/etc/skel/":
.vimrc:
sy on se nu set incsearch set hlsearch colorscheme slate
.bashrc:
# ~/.bashrc: executed by bash(1) for non-login shells. # see /usr/share/doc/bash/examples/startup-files (in the package bash-doc) # for examples export PS1='\h:\w\$ ' umask 022 # If not running interactively, don't do anything [ -z "$PS1" ] && return # don't put duplicate lines in the history. See bash(1) for more options # don't overwrite GNU Midnight Commander's setting of `ignorespace'. export HISTCONTROL=$HISTCONTROL${HISTCONTROL+,}ignoredups # ... or force ignoredups and ignorespace export HISTCONTROL=ignoreboth # append to the history file, don't overwrite it shopt -s histappend # for setting history length see HISTSIZE and HISTFILESIZE in bash(1) # check the window size after each command and, if necessary, # update the values of LINES and COLUMNS. shopt -s checkwinsize # make less more friendly for non-text input files, see lesspipe(1) #[ -x /usr/bin/lesspipe ] && eval "$(SHELL=/bin/sh lesspipe)" # set variable identifying the chroot you work in (used in the prompt below) if [ -z "$debian_chroot" ] && [ -r /etc/debian_chroot ]; then debian_chroot=$(cat /etc/debian_chroot) fi # set a fancy prompt (non-color, unless we know we "want" color) case "$TERM" in xterm-color) color_prompt=yes;; esac # uncomment for a colored prompt, if the terminal has the capability; turned # off by default to not distract the user: the focus in a terminal window # should be on the output of commands, not on the prompt #force_color_prompt=yes if [ -n "$force_color_prompt" ]; then if [ -x /usr/bin/tput ] && tput setaf 1 >&/dev/null; then # We have color support; assume it's compliant with Ecma-48 # (ISO/IEC-6429). (Lack of such support is extremely rare, and such # a case would tend to support setf rather than setaf.) color_prompt=yes else color_prompt= fi fi if [ "$color_prompt" = yes ]; then PS1='${debian_chroot:+($debian_chroot)}\[\033[01;32m\]\u@\h\[\033[00m\]:\[\033[01;34m\]\w\[\033[00m\]\$ ' else PS1='${debian_chroot:+($debian_chroot)}\u@\h:\w\$ ' fi unset color_prompt force_color_prompt # If this is an xterm set the title to user@host:dir case "$TERM" in xterm*|rxvt*) PS1="\[\e]0;${debian_chroot:+($debian_chroot)}\u@\h: \w\a\]$PS1" ;; *) ;; esac # Alias definitions. # You may want to put all your additions into a separate file like # ~/.bash_aliases, instead of adding them here directly. # See /usr/share/doc/bash-doc/examples in the bash-doc package. if [ -f ~/.bash_aliases ]; then . ~/.bash_aliases fi # enable color support of ls and also add handy aliases if [ -x /usr/bin/dircolors ]; then eval "`dircolors -b`" alias ls='ls --color=auto' #alias dir='dir --color=auto' #alias vdir='vdir --color=auto' #alias grep='grep --color=auto' #alias fgrep='fgrep --color=auto' #alias egrep='egrep --color=auto' fi # some more ls aliases #alias ll='ls -l' #alias la='ls -A' #alias l='ls -CF' # enable programmable completion features (you don't need to enable # this, if it's already enabled in /etc/bash.bashrc and /etc/profile # sources /etc/bash.bashrc). if [ -f /etc/bash_completion ]; then . /etc/bash_completion fi
.bash_aliases:
alias l='ls -lA' alias ll='ls -l' alias la='ls -a' alias lla='ls -la' alias lal='ls -la'
Zusätzlich installieren wir noch das Paket "bash-completion", um eine komplexere Code- und Befehlsvervollständigung zu bekommen (wird erst nach erneutem Anmelden an der Konsole aktiv):
aptitude install bash-completion
Nun können wir mittels adduser einen Benutzer anlegen:
adduser <Benutzername>
